Geschenkte Zeit

Wie einige von euch mitbekommen haben, war Tiffy Ende November an einer Gebärmuttervereiterung erkrankt. Diese tritt bei ca. 25 % aller unkastrierten Hündinnen auf, meist im fortgeschrittenem Alter. Das Mittel der Wahl ist normalerweise die Entfernung der Gebärmutter, mittels Operation. Für meine Tiffy die Anfang November 16 Jahre alt geworden ist, ist diese OP jedoch leider keine Option mehr…
Mitten in der Nacht werde ich wach weil einer meiner Hunde unruhig ist. Schnell merke ich, dass es Tiffy ist, welche unruhig umherirrt und vor Schmerzen stöhnt. Ich trage sie aus dem Schlafzimmer und bei Licht kann sich sehen wie sie sich zusammenkrampft. Es ist 3 Uhr und mich beschleicht das Gefühl, dass es nun so weit ist. Abschied nehmen von meiner ältesten, geliebten kleinen Maus. Dann werde ich wieder klar im Kopf, denn ich muss handeln. Ich messe erst mal Temperatur, diese ist im Normalbereich. Ok dann erst mal was gegen die Schmerzen geben und weiter überlegen. Tierklink? Tierärztin aus dem Bett klingeln? Da aus der Vulva eine Flüssigkeit läuft und Tiffy seit gestern Abend auffällig viel leckt, vermute ich schon eine Gebärmuttervereiterung. Ich setzte mich zu ihr und streichel sie, das Schmerzmittel scheint zu wirken und sie rollt sich in ihr Körbchen und schläft ein. Gut, dann warten wir bis morgen früh, mit dem Tierarztbesuch. Ich trage das Körbchen vorsichtig in mein Bett sodass ich Tiffy stets unter Aufsicht habe. Noch eine ganze Weile beobachte ich sie, doch sie schläft nun tief und fest und so schlafe ich auch wieder ein.

Am nächsten Morgen bestätigt sich mein Verdacht beim Tierarzt, jetzt ist es deutlich zu sehen, es ist eine offene Form der Pyometra und muss unbedingt behandelt werden. Meine Tierärztin schickt mich weiter in eine Tierklink da es Samstag ist und ihr Labor zu langsam wäre. Wir brauchen erst die Blutwerte um die weitere Behandlung zu klären. Tiffy geht es schlecht, sie lässt alle Untersuchungen mit nur wenig Gegenwehr zu. Blutabnehmen und Ultraschall und während ich auf die Ergebnisse warte überlege ich mir ob ich einer OP wirklich zustimmen möchte. Um die Narkose mache ich mir wenig Gedanken, aber die Schmerzen, die Nachsorge und Genesung – muss ich ihr das wirklich zumuten? Tiffy hatte schon zweimal Milchdrüsenkrebs und es brauchte nahezu ein halben Jahr bis sie wieder fit war. Noch dazu sind Narkosen für das Gehirn nicht gerade das beste was einem Hund mit Demenz passieren kann. Ja Demenz gibt es auch bei Hunden, man nennt es nur anders- Kongnitive Dysfunktionssyndrom(CDS). Diese Hunde haben Probleme mit der Orientierung, erkennen oft Personen nicht mehr oder wissen nicht was man mit Futter macht. Ich bespreche die Ergebnisse mit der Tierärztin und bin froh, dass sie mir von der OP abrät. Auch sie hält die Nachsorge und mögliche Komplikationen in keinem Verhältnis. Und ihr macht Tiffys Allgemeinzustand Sorgen, dass sie mich dann nach der Narkose gar nicht mehr erkennt und noch weniger weiß. Ich bin erleichtert und besorgt zugleich. Hätte die Ärztin mir zur OP geraten hätte ich sie machen lassen. Jetzt heißt es Behandeln mit konservativer Methode. Tiffy bekommt ein Hormon und Antibiotika gespritzt, kombiniert mit weiterer Medikamenten. Es ist ein Versuch und nach einem halben Tag in der Tierklink fahren Tiffy und ich erschöpft nach Hause. Jetzt heißt es abwarten und Daumen drücken…

Schon am darauf folgenden Tag geht es Tiffy scheinbar besser und zum Glück zeigt auch der Kontrollunterschall 10 Tage später, nur noch eine kleine Eitermenge in der Gebärmutter. Es sieht so aus als sei mein Mädchen erst mal über den Berg. So richtig aufatmen wäre aber zu viel. Denn gewiss ist, sie ist nun 16 Jahre alt und die Gebärmuttervereiterung kommt meistens zurück- die Frage ist eben nur wann. In zwei Wochen oder auch erst mit der nächsten Läufigkeit in 6 Monaten? Wir wissen es nicht, aber was mir so klar vor Augen geführt wurde- die Zeit mit unseren Hunden ist so begrenzt !
Wir sollten sie viel öfter bewusst genießen. In der Nacht, in der Tiffy krampfte dachte ich es ist so weit, ich muss sie nun gehen lassen. Aber ganz unverhofft bekamen wir noch Zeit geschenkt. Es ist ein wunderbar kostbares Geschenk und ich versuche ihr die restliche Zeit so angenehm wie möglich zu machen und bewusst mit ihr zu verbringen.

Sie ist nun seit 10 Jahren bei mir und war immer nur ein absolut liebenswerter und einfacher Hund. Sie hat mich auf all meinen Abenteuern begleitet und mir Ronja geschenkt. Seit 2 Jahren ist sie nun desorientiert, kann kaum noch Stecke laufen, ist taub, pieselt oft rein und verschläft den meisten Teil vom Tag. Auf Spaziergängen trage ich sie nun im Beutel oder sie sitzt bei Falko im Kinderwagen. An Regentagen oder wenn es sehr kalt ist lasse ich sie zu Hause schlafen, dann reicht ihr auch ein Ausflug in den Garten. Im Auto sitzt sie nun vorne in ihrer eigenen Box. Denn da sie vergessen hat was man in einer Autobox macht und so manchmal umherläuft, fühlten sich die anderen beiden Papillons von ihr gestört. Man arrangiert sich mit einem alten Hund und ihr kommt es sehr zum Vorteil dass sie so klein ist, da passt man überall rein 🙂

Am schönsten ist es sie zu beobachten wenn sie an sonnigen Tagen über die Wiese schnüffelt und auch mal wieder ein kleines Stück rennt. Da geht mir das Herz auf und ich bin dankbar für unsere geschenkte Zeit. Und wenn sie vergnügt im Körbchen gräbt und Tonda verführt dann sieht man das noch Lebensfreude in diesem alten Hündchen wohnt. Manchmal fragen Sven und ich was in ihrem Kopf wohl vor sich geht… wir überlegen wie Tiffy wohl mache Dinge des Alltags entscheiden würde, was sie sagen würde und lachen über verdusselte Antworten. Sie ist und bleibt ein kleiner Hund den man einfach ins Herz schließen muss. Auf dass sie noch den Sommer mit uns erleben darf, denn den liebt sie sehr. Und solange sie mir zeigt, dass sie noch will- werd ich sie tragen oder schieben damit sie noch was mitbekommt von der Welt der Sinne. Denn ihre Nase, ja die geht noch einwandfrei ! Seit ich ein Körbchen im Bett habe schläft sie auch wieder bei mir im Bett und genießt die Nähe zu uns. Ich bin dankbar über jeden weiteren Tag mit ihr.

Comments 3

  1. Es rührt mich zu Tränen. Ja, wir nehmen die gegebene Zeit viel zu selbstverständlich… Ich wünsche Dir und Deiner Maus noch viele erfüllte und schöne Stunden, die Ihr gemeinsam genießen dürft. Kraul Sie von uns Liebe Grüße, Michaela und Yambo 💖🐕💖

  2. Liebe Gianna,
    wirklich sehr bewegend und eindrucksvoll wie du diese Zeit mit Tiffy siehst und erzählst. Ich muss hier an einen Satz von Sophie Strodtbeck aus ihrem sehr schönen Buch „Vom Welpen zum Senior“ denken: „Man muss das Glück unterwegs suchen, nicht am Ziel, da ist die Reise zu Ende“.
    Ja und dies gilt nicht nur für die Reise mit unseren Hunden.
    Liebe Grüße Sabine

  3. Post
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    Ja genau so ist es und wir sollten uns diesen Satz viel öfter zu Herzen nehmen. Und das hier und jetzt genießen,so wie unsere Hunde es tun.

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