Eingefahrene Denkmuster

Letztens mit meinem besten Freund beim Thailänder…
Wir sitzen am Tisch und warten auf das Essen, da fällt uns auf der Fensterbank neben dem Tisch eine Sanduhr auf. Sie ist aus Plexiglas und hat einen blauen Inhalt im oberen Teil. Ich scherze- wenn der Sand durchgelaufen ist müssen wir den Tisch verlassen. Doch der Inhalt, läuft nicht – er hängt oben fest. Hm wohl kaputt sage ich und Michael stimmt mir zu.

Eine Sanduhr ist eine ganz klare Sache, der Sand läuft von oben nach unten. Punkt. Wir greifen auf unsere Erfahrungswerte mit Sanduhren zurück- es fließt kein Sand, muss also kaputt sein- warum auch sonst sollte der Inhalt oben bleiben? Unser logische Verstand erachtet dies als korrekt.

Wir essen, die Zeit vergeht und mein Blick schweift abermals auf diese Sanduhr am Fenster.
Michael nimmt sie in die Hand und dreht sie rum. Und siehe da die blauen Perlen fangen an von unten nach oben zu tanzen. Wir lachen- wie eingefahren unsere menschliche Denkweise ist.

Mit dieser kleinen Alltagsgeschichte wird klar, wie wenig wir uns mit unser Umwelt auseinandersetzen, versuchen andere Lösungen zu finden statt Dinge einfach so anzunehmen wie sie „scheinen zu sein“. Glauben alles zu wissen, ist ein großer Fehler.

Auch im Leben mit unseren Hunden führt die Annahme zu wissen warum der Hund etwas tut oft zu Missverständnissen. Hunde sind denkende, fühlende Lebewesen und nicht durch tote Bücher oder starre Erziehungskonzepte zu durchschauende Maschinen. Sie folgen keinen klaren Gesetzen, jeder ist einmalig und arbeitet an seiner persönlichen Lösung vom perfekten Hundeleben. Viel zu oft wird dem Hund böser Wille unterstellt. „Er weiß genau was ich von ihm will… „.

Viel öfter sollten wir unsere Anforderungen an unsere Vierbeinern mal „rumdrehen“ und sehen was passiert wenn wir von unseren festgefahrenen Annahmen mal Abstand nehmen. Loslassen von alten Denkmustern und Verhaltensweisen, um neue Wege zu gehen- Alternativen zu entdecken. Und dann auf einmal gibt es Lösungen an die man vorher gar nicht dachte.

Ein Beispiel aus der Praxis… ich trainiere mit Zoe das Umrunden eines Stuhles. Sie umrundet den Stuhl doch nach der vierten Runde, kommt sie auf eine andere Idee. Sie tastet mit ihrem linken Hinterbein in der Luft nach dem Stuhl. Anstelle nun weiter auf die Übung mit dem Umrunden zu bestehen rufe ich – geniale Idee! Mach das nochmal. Und sie macht es…

Daraus entstand ein neuer Trick „Bein heben“. Zoe zeigt ihn während einer Gruppenstunde und ihr fragt wie ich ihr das beigebracht habe. Gar nicht , ich habe nur zugelassen, dass sie kreativ ist. Habe meinen Weg verlassen und bin ihren gegangen- ganz ungeplant. Vielleicht liebe ich Clickertraining deshalb so, weil es die Kreativität des Hundes fördert und jede Menge Platz für den eigenen Charakter lässt.

Einen Hund haben bedeutet zusammen Spaß haben, zusammen Dinge zu erforschen- und eben auch mal den gewohnten (Denk-)Pfad zu verlassen um quer durch den Wald zu streifen.

Comments 1

  1. Quer durch den Wald und durch Wiesen bist Du schon als ganz junges Mädchen. Mit Linus an Deiner Seite und dem Wissen, dass Dir mit Diesem Freund nicht`s und niemand etwas anhaben kann.
    Liebe Grüsse aus Rohrdorf

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